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Ostern auf Sachalin



Ich verbringe 6 Tage, indem ich helfe und pastorale Ereignisse auf der Insel Sachalin beobachte, Tage, die ich nicht vergessen kann und von denen ich hoffe, dass sie für den Leser von Interesse sind.

Sachalin ist nördlich von Japan und war ein Schauplatz von russisch-japanischen Schlachten während des 2. Weltkriegs. Russland besetzte das Gebiet und deportierte 400.000 japanische Bürger. In der Dunkelheit der kommunistischen Diktatur bezeugten auch hier und in der ganzen Sowjetunion viele Christen ihren Glauben durch das Martyrium: Orthodoxe, Protestanten und Katholiken.

Sachalin hat eine Fläche von 66.000 km2, erstreckt sich von Süden nach Norden über eine Entfernung von 1.000 km und hat heute 600.000 Einwohner. Die katholische Kirche ist hier seit etwa 10 Jahren (wieder) präsent mit 2 Pfarrgemeinden in der Hauptstadt der Region und in 5 Außenstellen im Umkreis von 600 km, wo regelmäßige Zusammenkünfte vom derzeitigen Pfarrer, P. Jaroslaw Wisniewski, organisiert werden. Die christlichen Gemeinden leiden sehr nach dem Verlust ihres eigenen Pfarrers Benedict Zweber, der kürzlich starb.

Mein Abenteuer begann mit einer langen Flugreise von Moskau nach Yushno-Sakhalinsk. Ich traf den orthodoxen Bischof Arkaly und hatte ein freundliches Gespräch mit ihm über die religiöse Situation auf Sachalin. Im Flughafen beobachtete ich plötzlich, worüber das Fernsehen vorher informiert hatte: einen außerordentlichen Winter, der Sachalin an Weihnachten heimsuchte und der bis 8. März anhielt, die ganze Zeit mit großen Schneemassen, an manchen Stellen bis 3 m hoch: 5 Tage mit Problemen in der Stromversorgung, mit mangelhafter Heizung, mit im Schnee stecken gebliebenen Autos, was ein Grund für viele Tote war. In diesen Tagen machte P. Jaroslaw, eingesperrt ins Pfarrhaus, Freskos des Kreuzweges in die Pfarrkapelle.

Meine erste Begegnung mit der örtlichen christlichen Gemeinde fand statt bei der Feier des LETZTEN ABENDMAHLES. Die Gemeindemitglieder kamen von weit her, um an der Liturgie teilzunehmen: Beispielsweise kam ein Behinderter 300 km weit mit dem Zug. Die Liturgie war gut vorbereitet von der Liturgiegruppe. Während der Feier wuschen Priester 12 Personen die Füße. Außer ihnen kamen viele andere. Während der Osterliturgie, an welcher 100 Personen teilnahmen, wurden 4 Erwachsene getauft. Danach nahm die ganze Gemeinde am feierlichen Agape (Liebesmahl) teil. Am Ostertag feierten wir die Heilige Messe in Gemeinschaft mit ukrainischen Katholiken, die in ihrer eigenen Sprache sangen. Während dieser Feier taufte ich den 5. Erwachsenen. Am Abend beteten wir eine weitere Hl. Messe auf Englisch in der Siedlung für Ausländer, die in der Ölindustrie auf Sachalin arbeiten, weil Erdöl eine der Haupthoffnungen für den wirtschaftlichen Fortschritt in dieser Gegend ist. Am Montag, den 16., taufen wir in der Poliklinik ein zwölfjähriges Mädchen, das an einer plötzlich auftretenden Enzephalitis (Entzündung der Hirnhaut) litt, und das wir hofften in der Osternacht zu taufen.

In Gesprächen mit P. Jaroslaw und vielen Gemeindemitgliedern konnte ich die Strukturen der örtlichen christlichen Gemeinde studieren: 5 Personen arbeiten voller Tatkraft als Katecheten an drei verschiedenen Stellen. Sie sind Teilnehmer an Katechese-Kursen, die vom Ortsbischof von Ostsibirien, Monsignore Jerzy Mazur, eingerichtet wurden. Außer der Katechese ist, nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Totalitarismus in Russland, sehr wichtig die Tätigkeit der Caritas, die gerade vor Ostern den Rang eines Regionalbüros durch Pfarrer Alexander Pietrzyk von Caritas Ostsibirien erhielt.

Während drei Tagen meiner Reise bemerkte ich mit Freude die große Aktivität der örtlichen Caritas. P. Jaroslaw und ich besuchten viele verschiedene Gruppen von Personen, die Fürsorge und Liebe brauchen, und die wir - viele von ihnen sind nicht getauft - in das Ostergeheimnis und das Christentum einführten, wobei wir ihnen (mehr als 3000!) Ostereier, von Freiwilligen der Pfarrei schön bemalt, und die wundersame Ikone der Unbefleckten gaben. Die Hauptplätze, die wir besuchten: das Waisenhaus für behinderte Kinder; das Altenheim; die Straferziehungsanstalt für Jugendliche, wohin das Gericht etwa 64 Kinder eingewiesen hat; das Jugendgefängnis; ein großes Zentrum zur psychologischen Rehabilitation (in verschiedenen Abteilungen dieses Zentrums besuchten wir 600 Patienten).

Die Tage waren sehr intensiv für mich als Zeit der Begegnungen und Erfahrung. Ich will dem Ortspriester und seinen Mitarbeitern gratulieren. Mit den Augen des Glaubens beobachte ich in vielen Fällen Beispiele von Kraft, die als Frucht gewachsen ist aus dem Blut von Märtyrern, und ich stelle das fest gemäß Tertullian: "Das Blut der Märtyrer ist der Samen der neuen Christen".

Ich bin glücklich über die gute Beziehung zu den Orthodoxen, worüber mir der Ortsbischof während unserer Flugreise erzählte, und die Wiederherstellung der Katholischen Kirche. Was durch zwei kennzeichnende Fakten beschrieben werden kann: Im November letzten Jahres erneuerte der Papst die Apostolische Präfektur Karafuto (japanisch für Sachalin), nun unter der Obhut von Bischof Mazur (zuvor war es Teil der Diözese Sapporo in Japan), und zweitens, der Bau einer neuen Kirche für die zweite Pfarrei in der Stadt unter dem Namen Himmelfahrt der Heiligen Maria mit Billigung der örtlichen Behörde, welche am Ostermontag erteilt wurde, und der Verkündigung des Beschlusses, dass die Kirchweihe am 19. August sein solle gemäß dem Wunsch von Pfarrer Fr. Benedict Zweber (kürzlich verstorben) und Bischof Mazur. Wir danken Gottes Vorsehung und der hl. Maria, der Mutter der Kirche, für meine persönliche Erfahrung und laden alle Leser ein, für die Erneuerung des christlichen Lebens aller Orthodoxen, Protestanten und Katholiken in der größten Insel Sachalin und in ganz Russland zu beten.



Monsignore Bernardo Antonini

Generalvikar des Erzbischofs von Moskau

Yushno-Sakhalinsk, 16. April 2001

Dieser Text wurde von Fr. Jaroslaw Wisniewski, verantwortlich für Sachalin und Kamtschatka, ins Englische übertragen und dann von Leo Nürnberger, Balingen, ins Deutsche; in der Karwoche 2006)

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