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Die Heimat des Nirgendwo-Mannes
Teil II: Schulerinnerungen



Meine persönliche Biographie umfasst auf eine geistige Weise als Eltern, Brüder und Schwestern auch alle Schulfreunde und Lehrer meiner Heimat. Es ist auch wichtig, einige Orte und Länder meine Heimat zu nennen, in denen ich mich angeregt fühlte, Gedichte zu schreiben und schöne Projekte zu unternehmen, sogar mit mehr Erfolg als in meiner geographischen Heimat.

Dies war möglich durch die Zugehörigkeit zur universellen Kirche, welche an jedem Ort der Welt ihre eigene Geschichte hat.

Ich bekam in jeder ausländischen Großstadt das starke Gefühl zu Hause zu sein, falls es dort Katholiken gab.

Bei der Beschreibung Polens im ersten Teil meiner Biographie sprach ich nur über Zentral- und Nordpolen. Es gab keinen Verwandten aus Süd-. West- oder Ostpolen, aber diese Landstriche zogen mich auch an und ich versuchte, weit weg von meinem Heimatort zu studieren. Auf diese Weise lernte ich Polen besser kennen.

Nun erzähle ich über meine ersten Lehrer in Zielun, Skrwilno und die Professoren im Lyzeum von Brodnica und Wloclawek.

Im dritten Teil werden die Geschichten sein aus meinen pädagogischen Studien und aus der Armee.

Der letzte Teil wird der Kirchenteil sein, in welchem über die "Kirchenverwandten" zu sprechen ist.

Niemand konnte erwarten, als ich mich entschloss in das Seminar in Bialystok einzutreten, dass ich wirklich Priester werden würde. Meist dachten die Leute, dass ich, indem ich dort studierte, immer noch auf Abenteuer aus sei ... nicht nach einer Berufung!

1. Kindergarten in Zielun

Zum Kindergarten wurde ich zusammen mit meiner jüngeren Schwester Margareta geschickt. Es gibt aus jener Zeit noch Fotos irgendwo zu Hause. Ich erinnere mich, ohne dass ich Namen erinnere, dass ich ihnen sehr nahe stand, sie Tanten nannte, manchmal sogar irrtümlich mit "Mama" ansprach.

Der Kindergarten in Zielun lag auf halbem Wege zwischen unserem Haus und der Schule, so dass ich häufig Schulkinder sah, die später zur Schule gingen und früher heimgingen als wir; ich vermisste wirklich das zu Hause.

Ich war traurig, wenn mich meine Eltern ähnlich wie meine Schwester kleideten, mir sogar irgendwelche ihrer Kleidungsstücke anzogen. Vielleicht hatte meine Schwester ab und zu sauberere Kleider... .

Das Kinderhaus war zuerst in irgendeiner vorübergehenden, aber alten Holzbaracke, die in eine Metallfolie "eingewickelt" war. Später gingen wir zum Kindergarten im örtlichen Meyer-Haus, im Zentrum der Siedlung, nur ein paar Minuten weg von der Kirche.

Im Sommer brachten die "Tanten" uns an den Strand des sehr nahen und malerischen Flusses Wkra. Eine junge Tante nahm uns sogar auf einem kleinen Plastikboot mit und sie merkte nicht einmal, als ich ins Wasser fiel... .

2. Erstklasslehrerin

Ich erinnere mich nicht an ihren Namen. Wir nannten Sie nur Frau Sokolowska. Ich erinnere mich meiner Überraschung über ihre starke Beziehung zu [ihren?] Töchtern, ziemlich stärker als zu den anderen Kindern. Gerade damals verstand ich den Unterschied zwischen Schule und Kindergarten, zwischen "Tanten" und "Fräulein". Wenn ich sie mit meiner Mutter und meinen Tanten verglich, so waren Schullehrer viel förmlicher. Dennoch, ich bin sehr dankbar dafür, dass sie mir Lesen und Schreiben beibrachte. Auch übte sie mit uns ein, Geld auf einem besonderen Sparbuch zu verwahren.

Ich sparte so ernsthaft, so dass meine Eltern mir bald mein erstes Fahrrad mit "meinem ersten Geld" kaufen konnten. Ich ersparte sogar kleine Geldbeträge, die die meisten Kinder für Kuchen oder das Schulvesper mitbekamen.

3. Herr Maciejewski und sein Klavier

Das Holzhaus der Familie Maciejewski war für mich voller Geheimnisse.

Auch sein Klassenzimmer in der Schule, wo er außer Violen und Alts andere Instrumente gab, die Herr Maciejewski aufbewahrte und die Mitglieder seines Schulchores zu spielen lehrte.

Ich war auch Mitglied des Schulchors, sogar von der ersten Klasse ab. Unter den Liedern, die wir sangen, war eines über die weißen Nächte in St. Petersburg (Leningrad)..."wenn einer nur eine Nacht bleibt, so wie ich, wird er diese Stadt lieben, so wie ich". Ja, zufällig war ich mal eine Nacht in St. Petersburg, aber selbst wenn ich ihre Schönheit wahrnahm, hatte ich keine Vorstellung von weißen Nächten, denn mein Kopf war voller anderer wichtiger Dinge... .

Meine Eltern bestanden darauf, dass wir beide, meine Schwester und ich, Akkordeon spielen sollten. Das Instrument war für mich zu groß, daher nahm es mein Professor auf seinen Schoß und ich versuchte darauf wie auf einem Klavier zu spielen... . Es war für mich nicht sehr faszinierend, wirklich. Meine Schwester hatte die gleichen Schwierigkeiten, aber sie war gehorsamer. Bald darauf, fand mein Vater ein kleineres Instrument, aber dies veränderte die Situation nicht.

Viel stärker wurde ich von der Gitarre angezogen. Es war ein kleines Instrument im Kindergarten, aber ich war unglücklich, als ich feststellte, dass das Instrument mir nicht gehorchte und nicht die Melodie spielte, welche ich zu kreieren versuchte. Die gleiche Traurigkeit verspürte ich in Großvaters Haus, als ich dort eine große Gitarre sah und auch sie mir nicht willig war. Die Spielweise für Akkordeon und Gitarre waren mir zu verschiedenartig. Langsam merkte ich. Dass ich kein Talent habe, Gitarre oder sonst ein anderes Instrument zu erlernen. Es war eine schmerzhafte und eine Erkenntnis.

4. Erstkommunion

Die Erstkommunion und mein erster Religionslehrer waren für mich auch wichtige Erfahrungen meines Lebens in Zielun. Zum Katechismusunterricht kam ich oft zu spät oder gar nicht. Ich hatte mir nicht klar gemacht, dass er auch verpflichtend war. Der Priester war so nett zu den Kindern und kritisierte sie nie öffentlich. Genau am Ende des Jahres aber, als er mir eine Beurteilung gab mit zwei Noten 5 für Kenntnisse und für Heftführung, aber eine 3 für die Abwesenheit von den Unterrichtsstunden ... lernte ich nun, dass 3 nicht in Ordnung war.

Ich tat mein Bestes im zweiten Jahr, als wir uns auf die Erstkommunion vorbereiteten. Ich war so erfolgreich, dass der Priester Fr. Jan Pyka mich als eines der Kinder auswählte, die während der Feier Gedichte öffentlich vortragen durften. Ich schrieb sie mehrmals auf und dachte, ich könne sie mir sehr gut merken, ABER IN DER ÖFFENTLICHKEIT VERGASS ICH ALLES.

Das Eigenartige ist, dass es mich damals überhaupt nicht beunruhigte. Ich war nicht sehr schüchtern oder leicht zu beschämen ... . Das widerfuhr mir später.

5. Frau Goralska und die französische Sprache...

In Skrwilno haben Kinder der 4. Klasse gemeinsame Erstkommunion; mein Katechet war Fr. Adam. In Zielun und in Skrwilno war ich Messdiener und mein Eifer in dieser Sache wuchs und verminderte sich im gleichen Maße wie meine Familienschwierigkeiten. Wir lebten ziemlich ärmlicher als in Zielun. Traurigkeit wurde unser tägliche Realität. Man sagte mir, das Leben in einer großen Stadt müsse besser sein als in einem Dorf. Die zwei Räume im 2. Stock von Gorskis Haus auf der Koscielna (Kirch) Straße, waren genau mitten in der Stadt.

Ich konnte um 7 Uhr in der Kirche und um 8 Uhr in der Schule sein.

Eine der einflussreichsten Lehrkräfte war eine Dame, die Privatunterricht in Französisch gab. Sie kam von einer Stadt namens Bieniakonie an der weißrussisch-litauischen Grenze. Der Dichter Mickiewicz verbrachte dort seine Jugend, wo er zum ersten Mal verliebt war in eine Maryla. Die Dame war eine der vielen Deportierten aus ihrer Heimat während der so genannten "Repatriierungswelle". Vorher hatte ich nur erfahren vom Angriff und der Besetzung von deutscher Seite. Nun erfuhr ich über Auswirkungen des Krieges von Angreifern aus dem Osten. Frau Goralska lebte von ihrem Mann getrennt und kümmerte sich um ihre Tochter zusammen mit der Großmutter. All diese drei Damen führten ein interessantes Haus voller orientalischer Tradition. Ich besuchte sie ständig während meiner Studien im Seminar. Es war viel interessanter, mit ihnen über Politik und kirchliche Angelegenheiten zu sprechen, als da zu sitzen und die Eheprobleme meiner Eltern zu beobachten.

6. Goralski und der "Historikerkreis"

Einer der Lieblingslehrer war der Historiker Goralski Boguslaw. Er war der jüngste Bruder von Goralskas Ehemann und sie wohnten nah beieinander, aber im Unfrieden. Sein großes Wissen über Geschichte war für mich wie eine Entdeckung, eine dauernde Reise in die Welt. Alle die Anfänge waren hilfreich für meine Seminarstudien und für mein Weltverständnis in der Zukunft. Bis heute kann ich historische Daten ohne Nachdenken, mechanisch heruntersagen. Dies verdanke ich ihm. Er gab uns Zusatzstunden nach dem Unterricht mit Dias und Erzählungen über chinesische, indische oder japanische Kultur, welche im Programm der Elementarschule keine Erwähnung fanden. Goralski machte mir Erdkunde, Fremdsprachen und das Reisen attraktiv.

7. Pfarrer Adam Walesiak

Walesiak gab mir in der 5. Klasse ein Buch über Fr. Josef Bejzym, einen Missionar aus Madagaskar. Von da ab war ich Missionar im Herzen. Die Bewunderung für Auslandsmissionen wuchs nach Besuchen von Juan Skowronski, der aus Skrwilno stammte, aber Priester in Argentinien war. Einmal zeigte er Dias über seine Missionstätigkeit. Ähnliche Aktivitäten gab es von Gemeindepfarrer Fr. Stros. Er war kein Missionar, aber er war ein gutaussehender, eifriger Mann. Im Oktober, dem Rosenkranzmonat, zeigte er uns Dias. Dies war ein sehr ansprechender Weg, uns für das Rosenkranzgebet einzunehmen. Jener Priester nahm in seinem alten Auto die eifrigsten Messdiener mit auf einen Ausflug zu den Kirchen der Umgebung. Unter seiner Anleitung führten die Ministranten kleine Notizbücher für die Autogramme jedes Priesters, dessen Messe sie besucht hatten. Die Zahl der Unterschriften entschied darüber, wer von uns der beste Messdiener war. Mein Notizbuch wurde eines Tages zerstört, von eifersüchtigen Freunden. Ich pflegte Dinge aus Frau Sokolowskas Zeiten zu sammeln, und so hatte ich ein neues Notizbuch und begann erneut mit dem Sammeln. Meine Mutter hat einen ähnlichen Charakter. Sie tut Dinge ganz fanatisch; sie gibt nicht leicht auf.

Vater Adam nahm meine Schwierigkeiten wahr und half mir diskret, wenn andere Ministranten meinen Eifer störten.

8. Väter und Mütter in Brodnicas "Alma Mater"

Damals wurde meine Familie größer. Als Student des Lyzeums bekam ich viele Mütter und Väter in Brodnica und Wlocwalek. Auch bekam ich dort neue Brüder und Schwestern. Ich wohnte in einem so genannten "Internatshaus". Für meine Mutter war es leichter, sich um drei statt vier Kinder zu kümmern. In jenen Tagen lebte sie von meinem Vater getrennt.

Im Internat erinnere ich mich an Herrn Sobieszczak, einen der jüngsten Professoren. Er spielte mit uns Fußball, lehrte uns Chemie in der 3. Klasse. Er hatte einen schönen Schnurrbart und eine lange Nase. Als Lehrer hatte er keine Grundsätze, er war wie wir alle ein "Sowjetbaby".

Da gab es die etwas seltsam schrille Stimme von Frau Markowska. Sie zwang uns täglich Morgengymnastik zu machen.

Da war auch ein junger Lateinlehrer. Die vorher genannten waren sehr streng, daher erwarteten wir frohen Mutes von ihm gewisse Freiheiten, aber wir täuschten uns. Herr Psuty veranlasste uns, 3-Minuten-Vokabeltests zu schreiben, Es war sehr schwer, die zu bestehen. Er starb während meiner 2. Klasse im Lyzeum. Dies war das einzige Mal, dass die ganze Schule gemeinsam zur Kirche ging. Aber der Grund dafür war ein trauriger.

Zum ersten Mal in meinem Leben besuchte ich auch den Franziskanerkonvent in Brodnica, weil er dort Pfarrer war, später lernten wir uns kennen, und dass er ein eifriger Katholik war.

Die meisten Professoren waren streng mit uns. Die Schule war stolz über die 80% Absolventen, die mit anderen Studien weiter machten.

Herrn Psutys Frau lehrte Chemie vor Sobieszczak. Ihre Experimente hatten immer unerwartete Ergebnisse, sogar für sie selbst. Da explodierte das Material und Explosionen als Spaß. Ihre Prüfungen waren so schwierig wie die 3-Minuten-Lateinprüfungen ihres Mannes.

9. Freunde und Feinde

Für jede Klasse gibt es einen zuständigen Lehrer, den Klassenlehrer. Unsere Klassenlehrerin war die Sprachlehrerin für Polnisch Tojek-Gesicka, Frau des städtischen Museumsdirektors. Zuerst stand ich zu ihr in guter Beziehung, aber in der 3. Klasse wurde ich vom besten zum schlechtesten Schüler, dem Außenseiter. Im Internat wollten viele Jugendliche einen Streik organisieren gegen Ungerechtigkeiten im Verhalten der Lehrer. Es war 1980, das Jahr, in dem sich das ganze Land im Streik befand, so auch die Studenten. Einer der aktiven Streikenden waren ich und mein Klassenkamerad, der während des Streiks einen Selbstmordversuch unternahm. Ich ging mit ihm ins Hospital, also dachten die meisten Lehrer, wir währen die beiden Anführer.

Ich hatte selbst den Wunsch, die Schule zu wechseln. Einige meiner Kollegen taten das gleiche zuvor wegen Schwierigkeiten mit einigen Lehrern, deshalb war meine Mutter nicht dagegen. Sie half mir beim Wechsel nach Wloclawek, und jeder war froh, besonders meine Klassenlehrerin.

Die gleiche Traurigkeit wie ich empfand Herr Otrebski, mein Französischlehrer. Er übernahm mich als besten Schüler, aber von dem Moment an, als ich immer häufiger bat, das Klassenzimmer verlassen zu dürfen, schöpfte er immer mehr Verdacht und dachte, ich würde auf der Toilette Zigaretten rauchen. Er hatte gute Absichten. Er wollte, dass ich sein bester Schüler sei. Er schickte sogar einen der Brodnica-Absolventen zum Studium nach Frankreich, so war ich in seinen Planungen vielleicht der nächste, aber ich tat nicht wie er wollte. Wir nannten ihn Herrn "Bonjour".

Ich hatte nur gute Beziehungen zu meinen Lehrern für Geschichte und Russisch, die mit mir nie Schwierigkeiten hatten... auch die Dame, die sich um die Pfadfinder kümmerte; da sie sich an mich vom Theaterspielen in den Ferien an mich erinnerte, mochte sie mich immer. Ihr Name war Tuptynska.

10. Pfadfinderdienst für die sozialistische Heimat

Solch seltsame Bezeichnung hatte die Pfadfinderei damals. Mitgliedschaft war Pflicht. Ich erinnere mich an ein archäologisches Lager irgendwo in Zbiczno bei Brodnica. Unter der Anleitung des Ehemannes meiner Polnischlehrerin, des Museumsdirektors, erfuhr ich, wie man Schätze sucht. Ich machte auch die erste Theatererfahrung.

Jede Pfadfindergruppe musste in einer kleinen Schau irgendein Land präsentieren. Wir Archäologen machten eine Ägypten-Schau. Ich war der Pharao, weil ich klein und leicht in einer "lectica", d. h. einer Sänfte, zu tragen war. Ganz in Weiß gekleidet trug ich kleine spaßige Texte vor über unsere für uns verantwortlichen älteren Pfadfinder, unter ihnen auch unsere Lehrer. Die Texte zeugten von Mut, also war das Publikum glücklich.

Zum ersten Mal in meinem Leben wurde ich ein Star.

11. Flucht aus dem Unterricht

Ich flüchtete aus der Schule mit einer guten Begründung: um Bücher zu holen. Der Unterricht wurde für mich immer uninteressanter. Ich fühlte etwas in der Luft, was Polen so sehr erwartete. Es war das zweite Jahr des Pontifikats von Johannes Paul II. Zuerst war es die Stadt Torun (Thorn). Wir waren zu einem Tag der "offenen Tür" bei der Armee-Akademie eingeladen, welche dringend Nachwuchs benötigte. Nach dem Besuch kehrten alle Jungens selbständig zurück; daher nutzte ich die Gelegenheit, die Stadt zu besichtigen und auch einige Büchereien.

Ich überzeugte mich, dass solch eine Reise billig und einfach ist, sowohl mit dem Zug als auch mit "Gelegenheitstransport". In einer Stunde war ich dort, gerade rechtzeitig zum Abendessen, nachdem ich zwei Stunden in Büchereien zugebracht hatte. Niemand schöpfte lange Zeit Verdacht. Ich bekam in der Schule immer noch gute Noten, Mutter war glücklich, nur meine Klassenkameraden grinsten wegen meines seltsamen Hobbys. Es herrschte das Gefühl vor, dass niemand so viele Bücher lesen konnte wie ich kaufte.

Nach dem Besuch von Torun kam die Zeit für Besuche in anderen Städten in der Nachbarschaft: Grudziadz, Ilawa und Ostroda. Manchmal besuchte ich Nowe Misto, Lubawa und Dzialdowo.

Erstmals in meinem Leben besuchte ich zufällig die mittelalterliche Basilika zur Lieben Frau in Laki. Ohne jede Hartnäckigkeit ging ich in alle Kirchen, die auf meinem Weg lagen.

Dies war die Zeit, als ich jeden Geschmack am Gebet verlor, es war ein großer Gewissenskonflikt wie bei vielen anderen Jugendlichen. Ich hatte keine spirituelle Führung und keine Vorstellung, wie ich mein Leben einrichten sollte. Ich betrat einfach intuitiv Kirchen und setzte mich in eine Bank zum Ausruhen vor der nächsten Anstrengung in meinem Abenteuer.

Später besuchte ich Mlawa und die Orte drum herum. Manchmal war ich in Olsztyn, Olecko, Goldap und Elk. Ich eignete mir Gewohnheiten an, die ich auch jetzt bei meinen missionarischen Tätigkeiten habe. "Der Nirgendwo-Mann" hat keine Zeit Stopps einzulegen. Er sucht immer noch die Orte, die ihn mehr inspirieren als das tägliche Brot, mehr als Bücher oder Gespräche mit Menschen.

12. Meine Klassenkameraden

In meinem Lyzeum waren Leute von Sadlowo, Radziki Male und Duze, von Osiek, Swiedziebnia, von Kowalewo, Gorzno, Jablonowo und sogar von Lidzbark Welski. Manche dieser großen oder kleinen Städte habe ich oft besucht. Da ich dort Klassenkameraden hatte, bin ich durch die ganze Welt gereist und wurde als Familienmitglied angenommen.

Leszek Rupinski aus Strzygi, der in meinem Zimmer im Internat wohnte, zog weg zum Lyzeum in Rypin und erst nach seinem Umzug während meines Besuchs bei ihm zu Hause, erkannte seine Mutter meine Mutter als ihre ehemalige Klassenkameradin. Man kann sich beider große Überraschung vorstellen.

Nach Sadlowo ging ich, um Krzysiek Jezewski zu besuchen, der in der selben Klasse wie Leszek im Brodnica Lyzeum war, aber das Zimmer mit mir teilte. Er ging auch weg nach Rypin... . Er war der dritte auf der Liste, der wegzog. Dies war die beliebteste Methode, um Problemen in der Behandlung von seiten unfreundlicher Lehrer aus dem Weg zu gehen. Ich war nicht der einzige Fall.

In Kowalewo wohnte die kleine Margareta Kostempska und die schwarze Elisabeth und auch die weiße Dorothee oder Iwona. Heute kann ich mich nicht mehr genau an den Namen des dritten Mädchens erinnern, so viele Jahre sind vergangen, aber alle drei waren aus Kowalewo, also gab es immer jemanden, die ich auf meinem Weg nach Torun besuchen konnte.

Margareta hat sich wirklich mit mir beschäftigt, und so fragte sie mich sogar einmal, warum ich so ärmlich gekleidet sei. Ich konnte darauf nichts antworten. Erstens kümmerte ich mich nicht drum, zweitens war ich wirklich ein armer Junge aus einer Familie mit 4 Kindern unter der Obhut einer Mutter in einer schwierigen Zeit des Systemwechsels und des völligen Zusammenbruchs der polnischen Ökonomie. Um mich herum lauter Kinder aus "guten Familien", ich aber war eine der Ausnahmen aus einer armen Familie, der das hohe Ziel haben konnte, an einer guten Schule zu lernen. Möglich, dass die Art meiner Kleidung das Geheimnis war, war die Leute, denen ich begegnete, sich so sehr um mich kümmerten.

In Radziki wohnte ein Junge mit großem Auffassungsvermögen für geschichtliche Unterrichtsstoffe, für Poesie und sogar für Astronomie. Er hieß Andrzej Suszynski. Er hatte große Probleme mit Sprachen, daher verbrachte ich einmal meine ganzen Ferien mit dem Versuch ihm zu helfen. Er bestand schließlich zwei zusätzliche Prüfungen und blieb ein weiteres Jahr im Lyzeum, auch wenn die Lage für ihn sehr hart war. Später wechselte er zur Berufsschule und wurde Konditor. Dies ist kein häufiger Beruf für einen Mann, daher war er ziemlich erfolgreich. In schwieriger Zeit war ich in seinem Haus wie daheim.

Nach Brodnica ereignete sich für mich das wundervolle Jahr 1981 mit Solidarnosc und das verrückte Jahr 1982 der kommunistischen Reaktion. Jene Zeit verbrachte ich in Wloclawek.

Ich lernte, was Freiheit bedeutet und was Untergrund, ich riskierte sogar die Wiederholung der letzten Klasse oder die Verhaftung aus politischen Gründen. Ich reiste noch immer viel umher und besuchte Kirchen, aber diesmal innerhalb der Großstadt Wloclawek.

13. Kaschubische Hauptstadt

Den Anspruch auf den Titel der Hauptstadt in Kaschuben erheben zwei, sogar drei Städte. Ich weiß nicht, wie Inowrocław [germanisiert als Hohensalza] argumentiert. Tatsächlich war der administrative Hauport Kujawiens Brzesć Kujawski (dt. Brest). Heute ist dies eine sehr kleine Stadt 15 km südlich von Włocławek (dt. Leslau) und mag eines Tages Stadtteil dieser letztgenannten Großstadt sein. Włocławek war stets die Hauptstadt der Diözese, welche sogar Toruń (dt. Thorn) und Gdansk (dt. Danzig) einschloss. Deshalb verbrachte Kopernikus als Mönch nach seinen Studien in Kraków (dt. Krakau) einige Zeit in Włocławek als Fachmann für Astronomie und half, den Bischofssitz und die Kathedrale zu entwerfen. Die Erinnerung daran ist noch lebendig und Włocławek ist stolz darauf, sein Denkmal, Straßen und sogar Schulen seines Namens zu haben. Das dritte Lyzeum, das ich besuchte, war Maria Konopnicka, aber die zweite war das Nikolaus-Kopernikus-Lyzeum.

Zur Zeit des Edward Gierek begann hier das große chemische Unternehmen "Azoty" mit britischen Fachleuten.

Deshalb war es etwa 20 Jahre lang die Hauptstadt der Präfektur (Woiwodschaft). In diesen Spitzenzeiten studierte ich hier.

Mein Lyzeum lag ganz in der Nähe der durch Jaroslaw Neverlys Buch berühmten "Zellulosefabrik", im selben Gebiet entlang des Weichselflusses wie die mittelalterliche Stadt mit Kaufmannshäusern, mit dem kleinen und vergessenen Marktplatz mit dem Denkmal des Kommunisten Marchlewski [Julian Balthasar M., 1866-1925, Mitbegründer des Spartakusbundes; d. Übers.] und der Kirche des Hl. Hyazinth. Geht man von der Weichsel und dem Hauptplatz aus entlang der schönen Allee, kann man zum Freiheitsplatz gelangen, der zur russischen Zeit der Ort der riesigen orthodoxen Kirche war... nahe dabei die Franziskaner, das Seminar, die Lutherische Kirche, sie alle aus der Brzeska (Brester) Straße gelegen, die zur Kathedrale und zur Hauptbrücke über die Weichsel führt.

Es war immer noch Bischofssitz, deshalb wurde viele neue Kirchen dank der Solidarnosc Zeit erbaut.

Ich erinnere mich der kleinen Kapelle auf der Jagiellonska, wo ich den Gottesdienst besuchte und den Religionsunterricht. Aus gleichem Grund besuchte ich St. Joseph in Zazamcze und die Kathedrale. Im letzteren Fall waren wir nur 5 oder 6 Schüler und unser Lehrer war ein Professor des Seminars.

In der Jagiellonska Straße erinnere ich mich der totalen Anarchie während des Unterrichts. Der arme Priester versuchte, eine vorbereitete Unterrichtsstunde zu verlesen, aber die alten Jungs störten ihn auf alle möglichen Arten. Er tat mir wirklich leid. Zum ersten Mal erlebte ich offene Aggression gegen einen unschuldigen Priester. Damals entstand der Wunsch, auch die Bibliothek des Seminars aufzusuchen.

14. Solidarnosc

In der Großstadt Włocławek und in der Umgebung reiste ich mit dem gleichen Eifer wie in Warmia [lat. u. poln. für dt. Ermland; d. Übers.] und Masuren im Nordosten Polens (früher Ostpreußen). Die Stadt war so groß und interessant, dass meine Faszination von Toruń langsam erlahmte. Ja, ich besuchte Ciechocinek und Aleksandrow Kujawski. Dies waren die Heimatorte von Edi Stachura, dem berühmtesten Jugendidol als Dichter und Reisender.

Später gab es weitere Ausreden für mein Benehmen... Sompolno, Kowal und Izbica Kujawska. Ich besuchte sie alle und kehrte zurück, ohne von Lehrerseite Ärger einzustecken. Das Internat war so groß und da lebten so viele aus den Knabenschulen, dass es niemanden scherte, was wir taten und wohin wir nach dem Unterricht gingen.

Ich fuhr gerne mit Stadtbussen von einer Endstation zur anderen. Besonders liebte ich die Landschaft des Weichselflusses im Gebiet jenes künstlichen Sees, der bald zum Tatort für den Mord am Priester Popieluszko, dem Solidarnosc Kaplan, wurde.

Ich besuchte gerne das rechte Weichselufer, die Orte Szpetal und Bobrowniki. Da gab es das beschädigte Mahnmal von 1920, welches an den Angriff der Bolschewiken und die Verteidigung der Polen erinnerte.

Ich kannte die Stadt wie meine Westentasche. Ich bekam schließlich schöne Kleidung, so dass mich die Leute mochten, sowohl in der Schule als auch bei Solidarnosc. Ich machte nur einen bescheidenen Besuch und fragte, ob ich eine Kopie einer selbst angefertigten satirischen Zeichnung machen dürfe.

Die Leute zeigten mir die Handhabung des Kopierers und langsam wurde ich Teil des Mitarbeiterstabes.

Die Geheimpolizei machte in diesen Tagen viele Fotos von mir und ich musste mich ein Jahr später in ihrer Dienststelle zeigen.

Als General Jaruzelski die Armee einsetzte, zerstörte dies unsere Hoffnungen und machte mich wirklich depressiv und zugleich aggressiv. Ich nahm an einigen Treffen der Jugend im Untergrund teil und sogar an einigen Aktionen, bei denen verbotene Papiere produziert und kolportiert wurden. Einmal zerstörte ich vor dem Seminar die Räder eines Polizeiwagens, indem ich Hunderte von eigens präparierten Nägeln auf dem Polizeiparkplatz ausstreute.

Die Polizeiwache gehört heute zum Seminar und die Lokalzeitung wird dort gedruckt... lustig, sich jener Tage zu erinnern. Gerade in Włocławek bekam ich das Gespür, dass die Geheimpolizei ziemlich viel stärker ist als unser Untergrund.

15. Lehrer

Der Lateinlehrer war irgendein ehemaliger Seminarist, vielleicht sogar ein Diakon.

In der Tat brachte er uns fast nichts bei, er erzählte nur Gerüchte aus dem Seminar, fast klerikerfeindlich, aber das Ergebnis davon war widersprüchlich. Ich freute mich immer mehr über solche Themen oder Orte wie das Seminar.

Ich erhielt in jenen Tagen ein großes Emblem mit Symbolen der katholischen Jugendbewegung OAZA auf meine Haut aufgedruckt. Manche waren vielleicht überrascht, aber die meisten kümmerte das nicht, es gab 25 Mädchen in meiner Klasse.

Der Geschichtslehrer war Herr Nazarkiewicz, eine große Persönlichkeit, er lehrte nur durch Beeinflussung. Die gleiche Art von Menschen lehrte mich Französisch und Russisch, also war ich noch glücklich, gute Lehrer zu haben.

Den Französischlehrer nannten wir "Zaba" (Frosch) und den für Russisch "Flora" (es war ihr Vorname).

Ich hatte von Brodnica gute Grundlagen, also musste ich hier ur weitermachen und meine Lehrer waren froh an mir.

Meine Zeugnisse in Włocławek waren, mit Ausnahme von Mathematik und Physik, nicht schlecht.

Unser Klassenlehrer war "Mysza" (Maus) oder Frau Myszkowska, die Sportlehrerin. Sie war wirklich gut zu mir, wie eine Mutter, oder besser, wie eine ältere Schwester. Während ihren Stunden ging ich, um die Mädchen nicht zu stören, entlang der weichsel spazieren... Ich war immer noch kein Raucher; obwohl es die meisten Teenager damals taten.

Ich zog die Bücherei als Thema Droge vor.

Großstädte:

Nach Włocławek bekam ich Lust auf andere Große polnische Städte: Kraków (dt. Krakau), Wrocław (dt. Breslau), Poznań (dt. Posen) und Opole (dt. Oppeln), besonders die akademischen Einrichtungen in diesen Großstädten; für mich waren sie von Anbeginn sehr anziehend, und die polnischen Studenten stets arm zwar, aber immer gute Gastgeber. In Poznań traf ich Edyta Bakowska, die zwar still war wie eine Maus und emsig arbeitete, so dass sie langsam die Lieblingsstudentin von Herrn Bonjourek wurde Romanistikstudentin. In Toruń kam ich mit einer Studentin für polnische Sprache, Basia Stefanska, zusammen.... in Bydgoszcz (dt. Bromberg) besuchte ich meine Schwester Margareta. In Kraków studierten einige meiner Mitschüler aus Włocławek.

Auf diese Weise verbrachte ich meine Zeit nach dem Schulabschluss. Ich verlor ein Jahr, weil meine Aufnahmeprüfung für arabische Sprachen an der Universität Kraków war erfolglos. Ein Jahr später begann in Opole mit Russisch und war erfolgreich. Ich wurde Student weit entfernt von meinen Heimatorten. Ich wählte Südpolen, denn ich hatte mich verliebt. Das Mädchen studierte in Kraków, aber stammte aus Gliwice (dt. Gleiwitz); ich war neugierig auf ihre Heimatstadt, aber ich war auch traurig, weil sie meine Liebe nicht erwiderte.



F. Jaroslaw Wisniewski

(Aus dem Englischen übersetzt von Leo Nürnberger,
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