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PEKINGER PFARRHÄUSER



Mitte September wurde ich mit der chinesischen Hauptstadt so vertraut, dass ich mich in ihr leicht an jedem Punkt bewegen konnte, sogar im ländlichen Bereich. Ich besuchte dreimal verschiedene Priester in ihren Wohnungen... ich lernte drei weitere Kirchen kennen. Ich lernte den jungen Organisten Tony, der aus Hongkong stammt, kennen. Ich fasste Mut, nach der katholischen Untergrundkirche zu fragen. Ich bekam zur Antwort: "Ja, der Untergrund existiert sogar in Peking"... .

Ich bekam irgendein Büchlein mit offiziellen Statistiken, die Pekinger Diözese betreffend, und außerdem freue ich mich über mein neues Visum.

Zum ersten Mal besuchte ich ein chinesisches Filmtheater... Es gab eine gute Entschuldigung: Man spielt gerade den berühmten historischen Film "The Banquet" (YeYan).

In meinem Wohngebiet Guan Cay Lu fand unter großem Werbeaufwand der Tenniswettkampf "China Open" statt, mit vielen berühmten Tennisstars aus der ganzen Welt - darunter Bagdaitis aus Zypern, Ancic und Lubcic aus Kroatien, die Französin Mauresmo... alle unter den ersten 10 der Weltrangliste - und mit vielen jugendlichen Zuschauern.

Die größte Damenmannschaft kam aus Russland. Auf der Straße verkauften einige Burschen Karten. Ich dachte auch dran, eine Karte zu kaufen, aber dann schaute ich mir den Wettbewerb zu Hause am Fernseher an, auf meinem Lieblingssportsender Kanal 5.

Wie in Polen während der Sowjetzeit mag auf den Sport- und Wetterkanälen das meiste wahr sein. Der ganze Rest scheint in China "Propaganda des erfolgreichen großen kommunistischen Landes" zu sein und ein bisschen dumme Programme für Jugendliche.

Aus dem Internet erfuhr ich über die Ansprache des Papstes in Bayern über die Muslime.

Immer noch besuchte ich täglich meine Doktor.

1. Die heilige Theresia aus der "blauen Kirche"

Nach der Morgenmesse in der St. Josephskirche ging ich in die Sakristei, um die Priester zu fragen, wie ich zur St. Theresia käme. Der Vikar hatte wie üblich keine Zeit für mich, aber er zeigte mir einige Pfarrangehörige, die mir die Adresse auf Chinesisch in mein Gebetbuch schrieben.

Ich versuchte mit meinem Doktor in Verbindung zu treten und ihm meine Entscheidung, dorthin zu gehen, mitzuteilen, aber zur gleichen Zeit trat ein Französisch sprechender Junge namens Sheng auf mich zu. Er schaute auf mein Gebetbuch und erklärte, es sei sehr schwierig, den Ort zu finden. Er nahm mein Buch mit der Adresse und verschwand. Als er zurückkam, bot er seine Hilfe an, denn er hatte einige Leute gebeten es zu erklären, aber es sei wirklich schwierig. Ich sagte zu Sheng, dass vielleicht der Doktor glücklich wäre mit uns zu gehen, aber der Doktor schien beschäftigt zu sein, ich verstand nicht, was mit ihm los war. Schließlich stellte ich fest, dass er nur auf Steven wartete, einen protestantischen Seminaristen, den er irgendwann kennen lernte, bevor er das katholische Seminar in How Ba Jia suchte.

Endlich kam er und wir waren eine dreisprachige 4-Personen-Delegation: Chinesisch, Französisch und Englisch. Der Doktor bat Steven mein Dolmetscher zu sein. Er war ein typischer Chinese von 30 Jahren mit schlankem Körper und großem Kopf.

Sein Englisch war ziemlich gut. Er sagte mir, dass er von irgendeinem presbyterianischen Gebet weggelaufen sei um bei uns zu sein und dass er dafür bestraft werden könne. Dies tat mir wirklich leid.

Wir fuhren mit dem Obus der Linie 108, wechselten dann nach 3 Stationen auf die Linie 8.

Wir gingen an einigen kleinen "Hutongs" [enge Gassen mit bes. für Peking typischer Wohnbebauung; d. Übers.] voller Menschen entlang in der Richtung, die uns die Straßenschilder angaben. Der Name der Kirche ist offiziell "blaue Süd-Kirche". Die Leute erklärten uns, dass wir in die falsche Richtung gingen. Die Straße zur Kirche lag etwas höher. Es war ein stiller Hutong, niemand außer uns ging dort.

Die Kirche bot eine hübsche Ansicht dank einem kleinen Hügel.

Sie sah aus wie eine der gotischen Gebäude der Ukraine oder Russlands, beispielsweise in Jalta auf der Krim oder in Perm im russischen Ural. Auch in Polen kann man solch ein Gebäude finden, besonders in Krakaus Lagiewniki, wo St. Faustina begraben ist.

Die tägliche Messe ist hier um 7:00, aber am Sonntag auch um 8:00. Die zweite Messe war gerade zu Ende, deshalb war die Kirche leer. Nur in den Gebäuden nahe der Kirche gab es ein paar Menschen, die einen Sprachkurs in Französisch bei einer jungen Dame besuchten, welche uns nach dem Grund unseres Besuches fragte.

Sheng erklärte ihr, dass wir glücklich wären, den Priester zu sehen, und nach ein paar Minuten kam er zur Kirche und nahm uns mit in sein Büro.

Die Kirche hatte blaue Wände im Innern und ein großes Altarbild der hl. Theresia.

Sie war traditionsgemäß im braunweißen Habit der Karmelitinnen und sie trug das kleine Blumenkreuz in ihren Händen. Blumen reichten bis zum Boden herab als Symbol für ihre Gebete für ihre Freunde. Hier verstand ich, dass sie wirklich meine Freundin ist als Patronin meiner Mutter und der Mission. Ich bat sie um ihren Segen für meine Reise nach China und dafür, dass wir uns schließlich begegnen mögen.

Ich war froh das Büro des Priesters besuchen zu dürfen, weil es die erste Gelegenheit war, solch einen Ort zu sehen und ein freundliches Gespräch mit einem einfachen Gemeindepriester in Peking zu führen.

Er stellte mir viele Fragen, aber meist antworteten meine Freunde an meiner Stelle, sie kannten mich ganz gut, und ich lauschte eben ihrer chinesischen Diskussion. Der Priester bot uns Tee oder Wasser an, und nach 15 Minuten Gespräch entschuldigte er sich, weil er irgendein dringendes Treffen in der Stadt hätte. Er nahm den Französischlehrer mit und nach einer Zigarette ging er.

Es war wirklich ein netter Mensch. Er war ein typischer Chinese mittleren Alters. Er hatte ein rundes Gesicht mit einem Lächeln, schwarzes langes Haar und war von mittlerer Größe. Er war ganz in weiß gekleidet mit einem römischen Kragen als Zeichen seines Priesterstandes. Kein Priester in China war in meiner Gegenwart mit einer Sutane bekleidet.

2. Protestanten von Chong Wen Men

Doktor Fan führte uns zu einem Straßenrestaurant in der Nähe. Die Spezialität dort war breite Nudeln, die ein junger Mensch im großen Container vor unseren Augen zubereitete. Steven erläuterte, dies sei das typische Essen in seiner Heimatprovinz Shanxi und lud mich ein zu probieren. Der Doktor nahm einige Nudeln mit Kohl und Fleisch und trank auch eine Flasche des berühmten chinesischen Harbin Biers. Steven aß nichts, Sheng entschuldigte sich und ging nach Hause, weil er von der Arbeit in der vergangenen Nacht müde war.

Wir waren zu dritt und der ganze Tag stand uns zur Verfügung. Ich bat Steve, uns irgendeine protestantische Kirche zu zeigen. Er war etwas verlegen, vielleicht wollte er nicht gesehen werden von irgendeinem seiner Lehrer, aber schließlich nahm er uns mit zur Koreanischen Gemeinde von Jilin. Es gibt eine große koreanische Minderheit in China. Sie haben einen katholischen Priester in St. Michael, aber auch protestantische Pfarrer in Chong Wen Men.

Die Kirche befand sich an der letzten Haltestelle des 108er Obusses, also war das in der Nähe von St. Theresia und uns allen wohlbekannt. Das Gebäude war versteckt hinter einem Bürozentrum, das im Innern wie eine Kirche aussah, aber viel zu hoch und viel zu reich für eine Kirche.

Die protestantische Kirche sah von außen klein aus. Einige Damen begrüßten uns am Eingang. Es gab viele kleine Häuschen im Garten. Man kaufte und verkaufte Bücher. Ich verlangte eine englisch-chinesische Bibel, deren Preis 50 Yuan war (ungefähr 12 Dollar).

Die Kirche sah innen groß aus. Es gab da vielleicht 500 Sitzplätze um den Altar herum.

Es gab Pop-Musik-Instrumente beim Altar, und einige Leute sangen. Menschen gingen umher, es war keine Gottesdienstzeit. Der zweite große Raum sah wie eine zusätzliche Kapelle aus für etwa 300 Sitzplätze- Wir erkundigten uns nach einem Pfarrer, aber niemand war da. Wir gingen langsam weg von dort. Erst im Garten kam eine Pfarrerin auf uns zu und begann ein Gespräch mit meinen Freunden. Diese erklärten ihr wieder meine Geschichte, und sie antwortete, dass sie auch sehr unter der gleichen Krankheit gelitten hätte. Sie hatte viele Ärzte aufgesucht, von denen niemand ihr helfen konnte. Schließlich habe sie sich zu Jesus bekehrt und das brachte ihr Heilung. Ihr Name war Emmanuel, sie bat um meinen Namen und auf der Straße fing sie mit zwei Frauen zu beten an, mit denen sie gekommen war und die unser Gespräch verfolgt hatten. Man sagte mir, sie beteten für meine Gesundheit.

Am selben Tag besuchten wir noch ein Pfarrhaus. Doktor Fan erklärte Steve, dass in der Nähe noch eine katholische Kirche sei und er kenne den Priester, der dort arbeitet.

Wir gingen 10 Minuten und wir kamen zur St. Michaelskirche. Ich war da schon mal gewesen, aber heute war es eine ganz andere Geschichte. Es gab da keinen Koreaner, aber einen Australier, der auf seine Frau wartete. Sie war eine Englischlehrerin hier. Er erzählte uns von seinem Aufenthalt in China und über die Pfarrei St. Michael. Ich erfuhr, dass ich im Irrtum war zu glauben, diese Kirche sei ganz unter koreanischer Obhut. Die Koreaner haben sie nur einmal wöchentlich gemietet, den Rest der Woche über gibt es Gottesdienste auf Latein um 6 morgens und auf Chinesisch um 7 Uhr.

Die Begegnung mit dem Priester war unergiebig. Wir klopften sehr lange und schließlich trafen wir einen sehr müden 50-Jährigen. Er fragte uns nach dem Grund unseres Besuches, aber er machte nicht den Eindruck an einem Gespräch mit uns interessiert zu sein. Daher bat der Doktor ihn um etwas zu trinken. Der Priester ging in sein Schlafzimmer. Wir sahen sein Büro mit einer Ansammlung von Hüten auf einer Ablage, einen kleinen Tisch und drei große Aquarien. Er kam wieder, gab uns drei Flaschen Wasser und wir verstanden, dass wir gehen sollten. In der Tat, der Sonntag ist nicht die beste Zeit, einen unerwarteten Besuch im Haus eines Pfarrers zu machen.

In diesem Augenblick fragte mich Steve und zeigte auf die Statue der Hl. Maria von Lourdes, "Warum hat sie einen Rosenkranz in ihrer Hand? Ist das nicht ein buddhistisches Symbol?" Ich antwortete ihm, indem ich ihm die Geschichte und die Bedeutung des Rosenkranzes erklärte, und bat darum zu gehen.

In den letzten Tagen war ich so aktiv gewesen, so dass ich langsam immer müder wurde.

Die Bus-Haltestelle des 803er war in der Nähe, also nahm ich den Bus und fuhr heim.

3. Die Heilige Maria vom Berg Carmel

Drei Tage blieb ich zu Hause, müde von den Abenteuern, und ich verlor auch langsam die Geduld mit den schmerzhaften Akupunktur-Sitzungen. Auch wurde ich traurig wegen meiner Vorgesetzten. Sie teilten mir nichts mit über ihre Meinung in Bezug auf meinen Aufenthalt hier in China. Das alte Visum war am Ablaufen. Ich schaute mir China Open im TV an, kochte Nudeln ab für das Frühstück und Abendessen und bereitete lange Geschichten vor über meine Kindheit für das Buch, das ich in naher Zukunft veröffentlichen will.

Am Dienstag kam ein Anruf meines Arztes und ich versprach am Freitag zu ihm zu kommen. Ich kehrte zu meinem gewohnten Tageslauf zurück und meine Lebenskraft kam wieder.

Am 25. September nahmen wir den Obus 111 und besuchten eine weitere Pekinger Kirche namens Hl. Maria vom Berg Carmel.

An jenem Tage konnte ich meine Aktivitäten an der zurück erhaltenen Kirche von Artiomowsk vergleichen mit all den Schwierigkeiten des hiesigen Ortspfarrers, die er hat nach der Rückkehr in das 150 Jahre alte Kirchengebäude. Auf allen Seiten konnte ich Spuren von Beschädigung und Vandalismus sehen. Auf der Vorderseite war der Turm zerstört und die kommunistischen Besitzer hatten einen Ziegelanbau gemacht, der die Schönheit und Harmonie der Kirche zerstörte. Auch hatte man einige andere Fabriken und Häuser links und rechts der Kirche gerade mal im Abstand von nur 2 oder 5 m errichtet, so dass der Priester überhaupt keine Prozession um die Kirche herum machen kann. Alte Kirchenfenster waren zerstört und ich sah die Scherben in einer Gartenecke. Es ist eine sehr frische Wunde. Neue Fenster, vorläufig und einfach gemacht, waren schon durch den Wind wieder teilweise zerstört.

Im Kircheninnern hatte jemand frischen Zement wie bei einer Zahnplombe in die Löcher geschmiert, die man zur Herstellung eines künstlichen zweiten Stockwerks geschlagen hatte. Das gleiche hatte ich in der Ukraine oder in Russland gesehen. So hatten die Ungläubigen mehr Platz gewonnen für ihre Büros oder Werkstätten, womit sie das Kirchengebäude voll stopften.

Eilig gemachte Reparaturen. Es gab Stationen des Kreuzwegs, welche anzeigten, in welcher Richtung man ihm folgen soll, aber wie überall in China in einer anderen Richtung als in Europa.

Der Baustil der Kirche, so wie bei St. Michael oder St. Theresia, zweite Hälfte 19. Jahrhundert.

Ich war zufrieden und hatte nicht die Absicht, unseren Ausflug fortzusetzen, aber Doktor Fan bestand darauf, den Priester aufzusuchen. Zuerst sprach er selbst, aber der Priester wollte mich persönlich hören, daher holte er seinen Organisten Tony, einen jungen Mann aus Hongkong. Er kam und stellte Fragen zu meiner Geschichte. Er war sehr wissbegierig über meine Erlebnisse in Sachalin und übersetzte dem Priester die ganze Geschichte. Der Priester servierte uns Tee und wollte uns sogar zum Mittagessen einladen, aber er stellte fest, dass er kein Gemüse in der Küche hatte, und so bat er Tony, mich in ein nahe gelegenes Restaurant zu führen.

Anton verbrachte mit uns etwa 3 Stunden. Er gab mir einige Hinweise über die Situation der Untergrundkirche in China, indem er mir sagte, dass einige Bischöfe, besonders in Shanghai und in Shanxi, gute Beziehungen sowohl mit der kommunistischen Regierung als auch mit dem Vatikan und auch mit den Untergrund-Gläubigen hätten.

Ich erfuhr, dass Tony erst vor kurzem nach Peking gekommen war und noch immer wenig über die Stadt weiß. Andererseits hatte ich nicht die Absicht, ihn gegen seinen Willen über heikle Themen auszufragen. Ich merkte, dass es für ihn gefährlich sein und dass er vielleicht seine Stelle verlieren könnte, falls er zu viel Kontakt mit Ausländern hätte.

Ich fragte ihn, wie ich zur Pfarrei Christkönig gelangen könne, was er mir erklärte, und so brachte mich der Doktor zum nächsten Abenteuer am gleichen Tag.

4. Christkönig in der Provinz

Ich bekam ein Büchlein über die Diözese Peking in der Kirche St. Joseph. In dem Buch gibt es Hinweise auf 20 Kirchen in Peking Stadt und Land. Ich erfuhr auch etwas über Bischof Fu, den 3. chinesischen Bischof von Peking. Er wurde 1979 im Alter von vielleicht 30 ohne Segen des Vatikan gewählt. Dies ist mir ein persönliches Anliegen, denn bis jetzt ist er der Vorsitzende der Chinesischen Katholischen Patriotischen Vereinigung.

In dem Buch sah ich ihn mit Kardinal Kim von Seoul und Kardinal Sin von Manila, die ihn in Peking besuchten. Dies soll vielleicht den Eindruck vermitteln, der Konflikt mit dem Vatikan sei geheilt.

Laut diesem Buch erhielt Bischof Fu während der 27 Jahre seines Dienstes die meisten alten Kirchen in dem Gebiet zurück, er bildete etwa 40 neue Priester aus, außerdem Schwestern, Hospital, Altenheim und regelmäßige Ferien für arme Kinder.

Die meisten Katholiken der Diözese Peking leben in den ländlichen Pfarreien des Südens und Westens, in einigen von ihnen sind 80 oder 100% der Bürger Katholiken. Eine solche ländliche Ansiedlung ist im Norden Pekings, so beschloss ich den Besuch der ländlichen Gebiete von dort aus zu beginnen.

Der Doktor sagte mir, wir brauchten 3 Stunden um dorthin zu gelangen. Unsere Fahrt begann um 3 Uhr nachmittags. Ich dachte mir schon, dass wir irgendwo im Norden Pekings die Große Mauer sehen könnten. Mein Gefühl trog nicht. Während 30 km Fahrt sahen wir sehr schöne Landschaftsbilder. Oben auf dem Berg sah ich die Mauer mit vielen Türmen, vielleicht im Abstand von je 1 km.

Auf dem Rückweg war die Landschaft noch viel attraktiver; denn es gab keinen Bus zurück, weil wir zu spät dran waren, so nahmen wir ein Gelegenheitsverkehrs-mittel. Das Auto, welches uns mitnahm, fuhr auf der alten Straße entlang der Großen Mauer. Der Fahrer hatte kein Geld für die Autobahn, daher waren wir in der Lage, die Mauer in der ganzen Pracht der abendlichen Beleuchtung zu sehen.

Der Bus Nr. 919 beendete seine Fahrt, aber unsere katholische Landgemeinde war noch nicht da. Wir nahmen ein Taxi und um 18 Uhr waren wir drin. Der Priester war abwesend. Das Tor war zu, aber Dr. Fan trieb einen Laien auf, der die Tür aufschloss und geduldig wartete, bis die seltsamen Leute ihre Gebete beendet hatten. Ich erfuhr, dass die Kirche eine Garage war während der Kulturrevolution. Von außen eine schöne Kathedrale, im Innern eine armselige, gerade wiederhergestellte Kapelle mit einfachen Bänken mit vielleicht 150 bis 200 Sitzplätzen.

Ich war im Herzen tief bewegt durch den Frieden, der hier herrschte. Christus der König hat hier einen sehr guten Ort für sein Königreich.

In der Abendsonne wurde der Steinweg zur Kirche rot beleuchtet. In der Mitte der breiten Straße sah ich das große und historische Tor. Die Häuser auf beiden Seiten waren klein, meist Restaurants. Der Ort wollte sich schlafen legen. Ich fühlte mich wie in einem vergangenen Jahrhundert und Hunderte und Tausende von Kilometern entfernt von der Hauptstadt. Ein Taxi brachte uns zurück zur Bushaltestelle, aber, wie gesagt, wir waren zu spät dran. Nach einer kleinen Unterredung mit den Taxifahrern vor Ort erklärte sich einer bereit, uns für 50 Yuan nach Peking zurückzubringen.

Voll mit abenteuerlichen Erlebnissen kam ich zu Hause um 24 Uhr an. Sehr müde und glücklich.

Es war meine erste Reise außerhalb einer Stadt in China.

5. Visa-Geschichte

Ich bin ein Mann, der aus Russland ausgewiesen und dessen Visum gelöscht wurde. Seit jener Zeit betrachte ich jedes Visa-Büro mit einem tiefen Gefühl von erlittenem Unrecht. Dieser Tage erhielt ich sowohl von meinen polnischen wie meinen ukrainischen Oberen die Erlaubnis, länger in China zu bleiben. Also hatte ich keine Wahl. Ich kam zum Visa-Büro und .... ich war sehr überrascht darüber wie einfach es war; die Angestellten, sogar das Gebäude sah schön aus wie auf einem internationalen Flughafen mit Rolltreppen und weiten sauberen Fluren. Es gab viele wartende Menschen, aber jeder von ihnen erhielt sein Visum nach 2 oder 3 Minuten, nicht länger. In Russland waren es Stunden, sogar Tage, bevor man mit dem Beamten zusammenkam, um von ihm über Millionen Schwierigkeiten zu erfahren.

Wie in Kiew wurde mein Visum gemäß der Einladung des freundlichen Geschäftsmannes Herrn Wan ausgestellt. Es wurde mir mitgeteilt, dass ich mein Visum innerhalb von 5 Tagen erhalten könne. Ich war so glücklich, denn es stimmte. Ich stand 3 Minuten in der Schlange und wechselte mit der Dame nur 3 Worte... überhaupt keine Bürokratie.

6. Banquet

Zum Film "Banquet" kam ich planlos. Es kam dazu, weil der Bus 807 oder 803 eine andere Route fuhr, oder einige Haltestellen überfuhr. Man weiß nicht, wann und warum. Guan Cai Lu ist am Ende der Fahrt, deshalb bin ich oft verwirrt, wenn der Schaffner mir keine Fahrkarte verkaufen will. Als dies wieder geschah, beschloss ich zu Fuß nach Hause zu gehen. Ich überquerte den großen Park um die "Lord of Heaven Church", kam in die Nähe einer anderen Busstation und sah dort eine Hinweistafel auf den Film "Banquet". Ich hatte die Werbung schon zuvor gesehen und so beschloss ich, mich nach den Anfangszeiten zu erkundigen. Die Frau sagte mir, die nächste Vorführung beginne in 5 Minuten. Ich nahm die Karte und war sehr überrascht. Darüber, dass zu so einem schönen und berühmten Film nur so wenige Leute kommen. Auch war das Benehmen der Zuschauer nicht sehr angenehm. Essen und Reden während der Vorführung störte mich sehr.

Nach dem Ende des Films beeilte ich mich sehr, den Bus zurück zu erreichen. Es war 9 Uhr abends und ich hatte Angst, bei Nacht zu Fuß zu gehen. Ich stieg zweimal um und kam schließlich glücklich nach Hause. Der Film ähnelte der Hamletintrige. Der Prinz verliert seinen Vater. Er scheint nur am Theater und der Poesie interessiert zu sein, aber in Wirklichkeit will er seinen Onkel töten, der den Vater des Prinzen getötet hatte. Die ganze Geschichte spielt im Mittelalter Chinas während der Reichseinigungsphase der 10 kleinen Königreiche.

Jedes der drei Teile des Films wurde in anderer Farbe gemacht. Die dominante Farbe zu Beginn ist Weiß, welche Tod bedeutet, der zweite Teil in Rot bedeutet Begierde. Der dritte Teil ist in Schwarz gehalten, was Gewalt heißt. Viele Menschen sterben am Ende, alle Helden der Geschichte. Es ist eine etwas traurige Geschichte, aber sehr hilfreich für jemanden, der Anstrengungen unternimmt, die chinesische Seele und Kultur zu verstehen.

7. Großes Tennis

Das Tennisturnier "China Open" dauerte 3 Wochen. Während dieser ganzen Zeit war meine Straße voller Verkehr und Menschen. In der Luft flogen auch Ballons, die die Leute zum Besuch einluden. Junge Burschen boten kostenlos Wettkampf-kalender an. Erst kamen die Wettkämpfe der Männer. Ein berühmter Russe trat mit seiner Freundin auf, die öffentlich verkündete, sie sei seine Garantie für gute Gesundheit und Erfolg, aber er wurde während des Turniers von einem Thai-Spieler, den niemand vorher kannte, bestraft.

Das Finale war zwischen Bagdaitis aus Zypern und dem Kroaten Ancic. Im Damenturnier: die Französin Mauresmo und die Russin Kuznecova.

Als Junge probierte ich mehrere Sportarten aus, aber jedes Mal ohne Erfolg, so konnte ich mich nur als Zuschauer verwirklichen. Ich schaue gerne Fußball, Boxen, sogar Motorsport wie Formel 1.

Sport ist nun in China Thema Nummer 1 wegen der Olympischen Spiele 2008 in Peking. Die ganze Nation bereitet sich auf das Ereignis vor. Die Organisatoren haben in einem besonderen Auswahlverfahren 100 000 Englisch sprechende Freiwillige ausgewählt, die den Sportlern während ihres Aufenthaltes in China helfen sollen. Das Problem ist, dass meiner Meinung nach China keine große Zahl von guten Sportlern hat, aber vielleicht bin ich schlecht informiert.

8. Der große Papst und der kleine Herr "Pu"

Aus dem Internet habe ich zwei wichtige Nachrichten mitbekommen. Eine Nachricht erklärt die historische Rede von Benedikt XVI. über die Moslems. Die zweite ist die Reaktion Moskaus darauf. Die Moslems waren traurig, das überrascht nicht, aber die große Überraschung war die friedliche Rede von Herrn "Pu". Wir nennen in der Ukraine den russischen Präsidenten so; wegen seines großen Ehrgeizes verkürzen wir seinen Familiennamen, um seinen wahren Wert zu zeigen.

Er rief die "religiösen Führer" (ohne den Namen des Papstes zu nennen) auf, diplomatischer und geduldiger zu sein.

Der Mann, der ungeduldig und unhöflich gegenüber Journalisten, Geschäftsleuten und sogar Priestern war, sagt dies! Die Person, die öffentlich versprach, alle Moslems in der Toilette zu töten! Er gibt unserem Großen Papst Ratschläge, worüber er zu reden habe. Meiner Meinung ist dieser Papst Groß, weil er offen sagt, was weiß ist und was schwarz.

Eines Tages wird er etwas sagen über die aktuelle Verfolgung der Untergrundkirche. Dies ist eine dringende Botschaft an viele Politiker wie Putin und die gegenwärtige Administration in China. Da sind noch 5 Bischöfe im Gefängnis.

Selbst wenn sie wirtschaftlich erfolgreich sind, müssen sowohl China als auch Russland freundlicher zu religiösen Minderheiten sein. Wir leben immer noch hier und dort unter: "eine Partei und ein Volk". Wir können sogar sagen "eine Religion"! Ich erinnere mich an diesen Stil aus meiner Kindheit in Polen.

9. Buddhistisches Tschenstochau

Während meines Spaziergangs auf der Yong He Gong Straße hatte ich den Eindruck von einem großen religiösen Festival wie es sich täglich im polnischen Tschenstochau ereignet.

Die meisten Geschäfte stellen buddhistische Kerzen, Statuen, Tonbänder mit Liedern und Gebetbücher aus, selbst "buddhistische Rosenkränze". Sogar die polnische Sprache hörte ich nur hier während meines Chinaaufenthaltes. Es gibt viele Touristen aus der ganzen Welt, wie im polnischen Schrein.

Das Kloster Yong He Gong in Peking ist berühmt wegen der weltgrößten Holzstatue. Sie ist aus Sandelholz hergestellt, aus einem Stück Holz von 18 Metern Höhe.

Das Kloster wurde vor 250 Jahren von Tibetanischen Lamas gegründet. Das Klosterareal umfasst ungefähr 10 Hektar. Da bildet eine Reihe von kleinen Kapellen die Mauer des Territoriums und 7 Schreine aufgereiht von Süden nach Norden. Sie alle vergegenwärtigen die verschiedenen Personifizierungen (Hypostasen) von Buddha. Die zusätzlichen Kapellen haben Namen wie Esoterik, Exotik und sogar Mathematik. Es beschreibt, welche Art von Meditation Lama an diesem Ort betrieben hat.

Ich sah etwa 50 junge Mönche, die auf sehr ähnliche Weise wie polnische Seminaristen bekleidet waren.

In jeder Kapelle treffe ich auf einen oder sogar 3 von ihnen, die auf das gute Benehmen der Besucher achten.

Manchmal sah ich auch einen erwachsenen Mönch, der so gekleidet war wie der Dalai Lama.

Selbst dann habe ich den Eindruck, der Buddhismus sei nicht sehr populär in Peking, selbst im Vergleich zur kleinen christlichen Minderheit machen wir Christen den Eindruck lebendiger Personen. Hier ist mehr Theater und Museum als echte religiöse Aktivität.

10. Taoismus "a la Lichen"

Von Zeit zu Zeit vergleiche ich immer noch China mit meiner Heimat Polen. Es gibt genau im geographischen Mittelpunkt auf der Straße zwischen Posen und Warschau die Stadt Konin mit offenen Minen von Braunkohle. In der Ortschaft Lichen sammelte der Ortspfarrer Fr. Machulski im Laufe von etwa 50 Jahren große Steine aus diesem Bergwerk, um eine Nachbildung des Jerusalemer Kalvarienberges zu bauen, und jede Station des Kreuzweges hat irgendeinen Zusammenhang mit gegenwärtig von Menschen begangenen Sünden. Jesus, die Soldaten und Juden sind dargestellt in Alabaster oder Lehm in natürlicher menschlicher Größe.

Als ich den taoistischen Schrein in Peking besuchte, hatte ich am Eingang den Eindruck, es könnte ein buddhistisches Kloster sein. Obwohl 4 Jahrhunderte älter als Yong He Gong, hat der Schrein den gleichen Stil und eine ähnliche Größe. Die Mauer ringsum wurde auch für zusätzliche Kapellen verwendet. Sieben Tempel in der Mitte waren in Süd-Nord-Richtung ausgerichtet, beginnend am Haupttor. Gleich war auch der Stil der Altäre in den Tempeln, die Brandgefäße mit duftenden Räucherwaren und Obst als Opfergaben: Äpfel, Bananen und Brot.

Der Unterschied bestand in der Anzahl der Statuen. In Polen, in Lichen, hat jede der 14 Stationen 3 oder sogar 5 Statuen. Insgesamt etwa 500. In Peking sogar mehr. In den zusätzlichen 78 Kapellen haben wir die gleiche Anzahl von Figuren. Die Hauptfigur eine 3 m hohe sitzende "Gottheit", 2 "Engel" rechts und links von ihr und 2 Reihen mit 5 Personen oder Tieren. 1, 5 oder 2 m hoch, die Wirklichkeit repräsentierend, welche die eine besondere der 78 "Gottheiten" kontrolliert. Die Gesamtzahl ist mehr als 1000 Statuen.

Die hier dargestellten Realitäten (Sektionen) sind: Sektion langes und kurzes Leben, gut und böse: Bürokraten, Soldaten, Priester; Sektion jedweder Art von Tötenden: Abtreibende, Selbstmörder, Giftmischer; Sektion von Ungerechtigkeit, Tod, Verdammnis; Windgötter, Wassergötter, Feuergötter, Tierschutz etc.

Der Unterschied zu den Buddhisten bestand auch im Fehlen von Mönchen. Hier haben wir gewöhnliche Sicherheitskräfte.

Die legendären Hauptgottheiten des Taoismus sind am Eingang dargestellt: Tiger und Drache. Sie haben unter ihrem Befehl 10 Generäle und diese kommandieren diese 78 Regierende, als chinesische Beamte, bekleidet mit einer schwarzen Kopfbedeckung mit zwei lustigen "Ohren" und unterschiedlichen Gesichtsfarben: weiß, gelb, blau, violett und sogar schwarz.

Die letzten paar Sektionen im Norden des Territoriums wurden als Museum benutzt für chinesische Kostüme für die so genannten Festivals.

Entsprechend dem Mondkalender, gibt es ein Festival, wenn Tageszahl und Monatszahl identisch sind: 1. Januar, 2. Februar, 3. März,,, . Für mich war das interessanteste Festival am 7. Juli. Auf Chinesisch heißt es Qi Qi. Es ist der chinesische St. Valentinstag und es gibt eine Legende von einem Vater, der für seine geliebte Tochter eine Hochzeit mit einem Prinzen ausrichtete, ohne zu wissen, dass sie zuvor bereits zu einem Anderen in Liebe zugetan war. Als sie ihn über ihre Herzensprobleme informierte, war er unfähig, seine Entscheidung zu ändern, aber er half den sich Liebenden, einmal jährlich am 7. Juli zusammenzukommen.

An anderen Festivals verehrt man das Neue Jahr, den Frühling, die Väter, Großväter, Buddha, den Herbst oder andere Ereignisse.

Ich verbrachte eine Stunde im Lama-Kloster und wurde müde. Bei den Taoisten verbrachte ich 3 Stunden ohne müde zu werden.

Selbst dann überkam mich hier der gleiche Eindruck wie im Tibetanischen Kloster über die Bedingungen des Glaubens. Es gibt eine sehr kleine Zahl von wirklichen Gläubigen und die Sorge um die Schreine ist 100%ig Angelegenheit des Staates.

11. Konfuzianischer Gott-des-Himmels-Schrein

Am Jahrestag des Mao-Sieges überraschten die kommunistischen Herrscher das Volk durch die Proklamierung der "offiziellen Wiedereröffnung" des Gott-des-Himmels-Schreins [Himmelstempel; d. Übers.] im Stadtzentrum nach langer Restaurationszeit.

Die UNESCO anerkennt das Gebiet des Schreins als einzigartiges Weltkulturerbe. Einzigartig ist wirklich nicht nur der schöne runde Schrein, sondern sind auch die Zahl der einmaligen Bäume. Das Gelände ist zehnmal so groß wie das buddhistische Lama-Kloster oder der Tao-Schrein. Es ist sehr leicht zu verstehen, welche Religion hier je die Unterstützung des Staates genoss.

Meister Kung organisierte außer einem System der Ethik auch ein System der Palastetikette. Wie man geht, sich kleidet, die Lehrer und Beamten ausbildet.... sogar die Verehrung der Seelen der Ahnen, alles stand unter konfuzianischen Regeln.

Das heutige China unternimmt Anstrengungen, die konfuzianische Gedankenwelt wieder herzustellen durch die Einrichtung so genannter konfuzianischer Institute. Es gibt ungefähr 100 solcher Institute in vielen Ländern der Welt als Abteilungen der chinesischen Konsulate.

Diese Bemühungen ähneln auch den Anstrengungen der russischen Regierung, alle orthodoxen Gemeinden im Ausland zu beherrschen, sogar wenn sie eigentlich zur Zeit eine unabhängige Struktur haben. Die Kirche muss unabhängig sein ohne Beeinflussung von staatlicher Seite. Nicht hier und nicht dort. Religion steht aber immer noch unter strikter Kontrolle und wird als Instrument im politischen Spiel missbraucht.



fr. Jaroslaw Wisniewski

Guan Caj Lu - Peking, 29.09.2006

(Dt. Übers. Leopold Nürnberger/15.11.06)

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